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Nachbarrecht



Leider kann man sich selten aussuchen, mit wem man Tür an Tür wohnt!

Trotzdem ist es die Wunschvorstellung von fast jedem, mit seinem Nachbarn in Harmonie zusammenzuleben. Solange beide Seiten Rücksicht aufeinander nehmen, kann dies bekanntlich gelingen. Allerdings sind die Wünsche, Ansichten und Verhaltensweisen von Nachbarn oft sehr unterschiedlich mit dem Resultat, dass es häufig zum Streit kommt. Festzustellen ist dabei, dass die Betroffenen in derartigen Streitigkeiten überdurchschnittlich emotional reagieren. Schließlich betrifft der Streit den unmittelbaren Lebensbereich, dem man sich aufgrund der räumlichen Nähe nicht entziehen kann und mit dem man nahezu täglich konfrontiert wird. Diese starken Emotionen führen häufig dazu, dass die Kompromissbereitschaft der Nachbarn sehr gering ist und oftmals beide Seiten auf gerichtliche Klärung bestehen.

Dass ein Gerichtsurteil allerdings keinen Frieden in die nachbarliche Beziehung bringt, liegt auf der Hand. Die Gerichte sind streng an die formale Gesetzeslage gebunden, so dass die Gerichtsurteile regelmäßig nur „schwarz“ oder „weiss“ ausfallen. Den zahlreichen „Grau-Schattierungen“ des Lebens werden die Gerichte in der Regel nicht gerecht. Letztendlich verhärtet ein Gerichtsurteil nur zusätzlich die Fronten und es droht ein "Dauerkampf" vor Gericht. Der Weg zum Gericht ist daher gerade im Nachbarschaftsrechts nicht immer der sinnvolle Weg, zumindest solange nicht, bis alle anderen Möglichkeiten der Streitbeilegung ausgeschöpft wurden.

Wie soll ich mich also richtig verhalten, wenn es Ärger mit dem Nachbarn gibt?


Hier finden Sie die 5 goldenen Verhaltensregeln:


Anstatt gleich vor Gericht zu ziehen, sollten Sie zuvor folgendes versuchen:

Regel Nr.1:

Suchen Sie mit Ihrem Nachbarn das Gespräch!

Beharren Sie nicht auf Ihren Standpunkt, bevor Sie nicht die „andere Seite“ zumindest angehört haben. Zeigen Sie sich - wenn irgendwie möglich - kompromissbereit.

Vorteil: Ein Kompromiss kann beide Interessen in Einklang bringen, das Nachbarschaftsverhältnis auf Dauer befrieden und die gegenseitige Toleranz stärken. Außerdem sparen Sie viel Zeit, Nerven und Geld, die mit der Einschaltung von Rechtsanwälten, Schlichtungsstellen oder gar einem Gerichtsverfahren und Sachverständigen unweigerlich verbunden wären.

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Regel Nr. 2:

Nehmen Siemit Ihrem Nachbarn schriftlich Kontakt auf!

Wenn Sie absolut nicht über Ihren Schatten springen können oder Ihr Nachbar das persönliche Gespräch ablehnt, nehmen Sie schriftlich Kontakt mit ihm auf.

Hier finden Sie ein Muster für einen Brief an Ihren Nachbarn. Die Formulierungen haben sich in der Praxis bewährt, denn sie sind diplomatisch und freundlich, aber in der Sache bestimmt. Mit diesem Brief haben Sie gute Chancen, sich mit Ihrem Nachbarn außergerichtlich zu einigen.

MUSTER für Brief an Nachbar!


Sollte es Ihnen aufgrund dieses Briefes gelingen, eine beiderseits zufriedenstellende Einigung zu erzielen, sollten Sie den wesentlichen Inhalt der Einigung schriftlich festhalten. Dies erschwert Ihrem Nachbarn eine spätere Meinungsänderung. Hat sich Ihr Nachbar nämlich außergerichtlich mit einer speziellen Regelung einverstanden erklärt, so hat dies für ein später stattfindendes Gerichtsverfahren in der Regel bindende Wirkung.

Hier finden Sie ein Muster für ein Protokoll über das Einigungsergebnis zum sofortigen Download...

MUSTER- Protokoll für Einigung mit Nachbarn!

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Regel Nr. 3


Übertragen Sie die außergerichtliche Verhandlungsführung notfalls auf einen Anwalt!

Sollte es Ihnen nicht gelingen, persönlich an Ihren Nachbarn heranzutreten (oder sollten Sie doch nicht über Ihren Schatten springen können), so sollten Sie die Verhandlungsführung eventuell einem Rechtsanwalt übertragen (auf jeden Fall, wenn Sie über eine Rechtschutzversicherung verfügen).

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Regel Nr. 4

Beantragen Sie das Obligatorische Güteverfahren!

Gelingt auch Ihrem Anwalt eine außergerichtliche Einigung nicht, so ist die weitere Vorgehensweise davon abhängig, in welchem Bundesland Sie wohnen. In einigen Bundesländern ist zunächst ein sog. obligatorisches Güteverfahren durchzuführen, bevor Klage erhoben werden kann. In den Bundesländern Bayern, Nordrhein Westfalen, Baden Württemberg, Brandenburg, Hessen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ist z.B. vorgesehen, dass bei Streitwerten bis 600,00/750,00 EUR und Nachbarrechtsstreitigkeiten zunächst ein solches Verfahren durch den Kläger betrieben werden muss. Informieren Sie sich auf der Homepage der für Ihr Bundesland zuständigen Rechtsanwaltskammer.

Können Sie sich in der Schlichtungsverhandlung nicht mit Ihrem Nachbarn einigen, stellt die Gütestelle (Schlichter bei der Rechtsanwaltskammer) eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung aus.

Kann hingegen eine Einigung in Form eines Vergleiches erzielt werden, so wird dieser von dem zuständigen Schlichter protokolliert. Dieser Vergleich ist dann vollstreckbar. Ein Gerichtsverfahren ist also nicht mehr erforderlich.

Einen Antrag auf Durchführung des Schlichtungsverfahrens können Sie bei der Rechtsanwaltskammer selbst stellen. Sie brauchen dafür also keinen Anwalt! Ein Muster für einen solchen Antrag finden Sie hier...

MUSTER für Antrag auf Streitschlichtung!


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Regel Nr. 5


Erheben Sie Klage, wenn Sie die Erfolgsaussichten positiv einschätzen!

Sollte die Güteverhandlung vor dem Schlichter scheitern, stellt der Schlichter die Erfolglosigkeitsbescheinigung aus. Nun können Sie Klage beim Gericht erheben.

Sollten Sie in einem derjenigen Bundesländer wohnen, wo ein Schlichtungsverfahren nicht vorgeschrieben ist, können Sie gleich Klage erheben.

Achtung: Für Klagen vor dem Amtsgericht besteht kein Anwaltszwang, d. h. Sie können die Klage selbst formulieren und bei Gericht einreichen oder zur Geschäftsstelle des Gerichtes gehen und Ihre Klage dort protokollieren lassen.


Hier finden Sie folgende Muster:

MUSTER für Klage (mit Streitschlichtung)

MUSTER für Klage (o. Schlichtung)


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Klage sollten Sie natürlich nur dann erheben, wenn Sie damit rechnen, den Prozeß zu gewinnen. Um die Erfolgsaussichten Ihrer Klage einschätzen zu können, sollten Sie sich über die Rechtslage genau informieren. Kostenlose Rechtsinformationen zu den in der Praxis am häufigsten auftretenden Problemgestaltungen finden Sie ebenfalls bei uns, nämlich auf den folgenden Seiten:


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