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Grenzabstände für Pflanzen



Die Grenzabstände für Pflanzen, Hecken, Bäume und Sträucher sind in den einzelnen Nachbarrechtsgesetzen der Bundesländer geregelt. Lediglich in den Ländern Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind keine Grenzabstände normiert. In diesen Bundesländern ist auf die aus dem nachbarlichen Gemeinschaftsverhältnis folgenden besonderen Rücksichtsnahmepflichten abzustellen, die es untersagen, besonders großwüchsige und ausladende Bäume unmittelbar an die Grundstücksgrenze zu pflanzen.

Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern können wir nachfolgend nur die wesentlichen Grundzüge darstellen.

Die einzelnen Gesetze finden Sie am leichtesten, indem Sie in Suchmaschinen (z.B. Google) zwei Begriffe eingeben, und zwar (1) den Namen des Bundeslandes und (2) den Begriff „Nachbarrecht“ oder „Nachbarrechtsgesetz“. Zum Teil haben die Ministerien der Justiz Broschüren herausgegeben, die über das im jeweiligen Bundesland geltende Nachbarrecht informieren (siehe z.B. Hessisches Ministerium der Justiz: „Nachbarrecht“. Diese Broschüre finden Sie unter www.justiz.hessen.de).

Die Länder unterscheiden zumeist zwischen Wäldern, Bäumen, Ziersträuchern, Obstgehölzen, Rebstöcken sowie Hecken und geben für diese Gruppen jeweils unterschiedliche Abstände zu den Nachbargrundstücken vor.

Beispiel für Abstände von Hecken in Hessen:

  • Hecken über 2 Meter Höhe................... 0,75 Meter
  • Hecken bis zu 2 Meter Höhe................... 0,50 Meter
  • Hecken bis zu 1,2 Meter Höhe.................. 0,25 Meter


Berechnung des Abstandes:
Für die Berechnung des Abstandes maßgebend ist die Mitte des Baumes oder Strauches an der Stelle, an der die Pflanze aus der Erde tritt. Sind mehrere Stämme oder Triebe vorhanden, ist derjenige maßgebend, der der Grenze am nächsten steht. Gemessen wird die kürzeste Entfernung zur Grenze. Ist das Gelände ansteigend oder abfallend, wird nicht entlang der Erdoberfläche, sondern in der Horizontalen gemessen.

Was versteht man unter "Hecke"?:
Von einer Hecke spricht man, wenn eine Gruppe gleichartig wachsender Gehölze in langer und schmaler Flucht aneinandergereiht eine geschlossene, wandartige Formation bilden. Nicht notwendig ist, dass die einzelnen Pflanzen der gleichen Art entstammen. Um eine Hecke handelt es sich nicht mehr, wenn eine Höhe von 3 Metern überschritten wird (LG Zweibrücken MDR 1997, 1119). Denn dann greifen die für die einzelnen Pflanzen geltenden Abstände. Sind diese nicht eingehalten, hat der Nachbar einen Beseitigungsanspruch, dem der Störer durch Rückschnitt auf das zulässige Maß nachkommen kann.

Für den Heckenrückschnitt haben einige Länder auch eine spezielle Anspruchsgrundlage, z. B. § 12 Abs. 3 Nachbarrechtsgesetz Baden-Württemberg.

Vorrang von Vereinbarungen zwischen Nachbarn:
Einige Landesgesetze sehen vor, dass die Nachbarn durch mündliche oder schriftliche Vereinbarung größere oder geringere Grenzabstände festlegen können. Gegenüber Rechtsnachfolgern sind diese Vereinbarungen jedoch nur verbindlich, wenn durch eine Grunddienstbarkeit dinglich gesichert worden sind.

Pflanzen innerhalb geschlossener Grundstückseinfriedungen:
Es gibt folgende Ausnahme: Wenn Pflanzungen hinter einer geschlossenen Einfriedung stehen und diese nicht überragen, so sind die in den Nachbarrechtsgesetzen geregelten Abstände nicht anzuwenden. Wenn die Pflanzen dann über die Einfriedung hinaus wachsen, müssen sie allerdings entfernt oder zurückgeschnitten werden.

Anpflanzung als Schikane:
Wurde die Anpflanzung allein aus Rache– oder Vergeltungsmotiven des Nachbarn vorgenommen und erfüllt die Anpflanzung objektiv keinen weiteren Zweck, so kann die Beseitigung trotz Einhaltung des Grenzabstands ausnahmsweise verlangt werden, da dieses Verhalten als Schikane einzustufen ist (LG Gießen NZM 2000, 982).

Verjährungsfristen:
Dringend zu beachten bei der Geltendmachung von Beseitigungsansprüchen (Entfernung einer Pflanze) sind die im jeweiligen Bundesland geltenden Verjährungsfristen. Diese betragen je nach Bundesland zwischen 2 und 6 Jahren. Fristbeginn ist immer der Zeitpunkt des Anpflanzens. Allerdings sehen einige Länder für diejenigen Fälle, in denen der Abstand unmittelbar von der Höhe der Anpflanzung abhängig ist, besondere Fristen vor. In den Ländern, die für den von der Höhe der Anpflanzung abhängigen Abstand keinen eigenen Fristbeginn normieren, ist anerkannt, dass der Fristlauf erst dann beginnt, wenn der vorgeschriebene Abstand in Folge des Wachstums nicht mehr gewahrt ist. Eine neue Frist beginnt zu laufen, wenn nach Rückschnitt der Hecke auf das zulässige Maß die Maximalhöhe erneut überschritten wird.

Ist Verjährung bereits eingetreten, ist der Beseitigungsanspruch ausgeschlossen. Allerdings kann der beeinträchtigte Nachbar andere Ansprüche, wie z. B. auf die Beseitigung von Überwuchs, geltend machen.

Jahreszeitliche Einschränkungen:
In der Regel sehen die nachbarrechtlichen Regelungen vor, dass auf Wachstums- und Vegetationszeiten Rücksicht zu nehmen ist. Dies gilt natürlich nicht für sogenannte immergrüne Hecken.

MUSTER für Nachbarstreitigkeiten!


Hinweise für die Vorbereitung eines Schlichtungsverfahrens und/oder Gerichtsverfahrens:
Sie sollten die örtlichen Verhältnisse unbedingt fotografieren und dabei mittels eines Maßbands oder Zollstocks die vorhandenen Grenzabstände deutlich machen für den Fall, dass der Schlichter oder Richter auf einen Ortstermin verzichten sollte.


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