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Testamentsformen

Das handschriftliche Testament

Die in der Praxis am häufigsten anzutreffende Variante der letzwilligen Verfügung ist das handschriftliche Testament. Grundsätzlich stellt diese Art der Verfügung von Todes wegen eine einfache Möglichkeit dar, die Erbfolge selbst zu bestimmen.
Beachtet werden muss folgendes:
Der Erblasser (also Verfasser des Testaments) muss schreibkundig und geschäftsfähig sein. Somit ist ein handschriftliches Testament durch einen Minderjährigen nicht gültig. Zudem wird nicht selten von Seiten der gesetzlichen Erben eingewendet, “den Erblasser sei bei einer Zeiten der Errichtung des Testamentes nicht in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen”. Sollte der Erblasser insofern bedenken haben, so empfiehlt es sich Zeugen der Testamentserrichtung beiwohnen zu lassen und die Testierfähigkeit durch ein ärztliches Attest zum Zeitpunkt der Errichtung des Testamentes zu dokumentieren.
Weiterhin ist zu beachten, dass das Testament eigenhändig geschrieben sein und abschließend unterschrieben werden muss. Zudem ist zu empfehlen, im Testament den Ort und das Datum der Erstellung mit anzugeben.
Achten Sie vor allem auf einen eindeutigen Wortlaut. Der Testierwille sollte eindeutig erkennbar sein.
Im Zweifel sollte selbstverständlich ein Rechtsanwalt oder ein Notar aufgesucht werden. Viele Testamentsformulierungen enthalten unkalkulierbare Risiken, was bei den meist hohen Nachlasswerten sehr unangenehme Folgen für die Bedachten der testamentarischen Verfügung haben kann.

Das öffentliche Testament

Das öffentliche Testament ist bei einem Notar zu errichten. Der Notar berät vorher und sorgt für eine Dokumentation des letzten Willens. Die Gebühren hängen natürlich von dem Nachlaßwert ab, wobei die Gebühr bei einem angesetzten Vermögen in Höhe von 50.000,- EUR sicherlich noch unter 500,- EUR bleiben wird. Fragen Sie notfalls vorher bei einem Notarbüro an.

Das Original der Testamentsurkunde wird in einem versiegelten Umschlag dem zuständigen Amtsgericht zur Verwahrung übergeben. Der Erblasser kann hiervon Abschriften erhalten. Das Standesamt, welchem später der Tod des Erblassers zu melden ist, bekommt hinsichtlich der Verwahrung des Testamentes eine Benachrichtigung.

Auch für die Errichtung des öffentlichen Testamentes ist die Testierfähigkeit Grundvoraussetzung, wobei der Notar bei offensichtlicher "Unzurechnungsfähigkeit" eine Errichtung des Testamentes ohnehin ablehnen würde. Im Gegensatz zum handschriftlichen Testament kann das öffentliche Testament auch von einem Minderjährigen, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, errichtet werden.

Das Nottestament

Das Nottestament hat in der Praxis seiner Natur nach untergeordnete Bedeutung und kommt selten vor. Schwebt der Erblasser in Todesgefahr, so kann er sein Testament vor dem Bürgermeister, unter Hinzuziehung zweier Zeugen, errichten.
Befindet sich der Erblasser auf hoher See oder an einem abgelegten Ort, so kann er von dem sog. Drei-Zeugen-Testament Gebrauch machen, also sein Testament vor drei hinzugezogenen Zeugen errichten.

Das gemeinschaftliche Testament der Ehegatten

Wie der Wortlaut dieser Testamentsform es nicht anders vermuten lässt, kann diese Art der Testamentserrichtung nur von Ehegatten vorgenommen werde. Hierdurch wird die Erbfolge von den Ehegatten gemeinschaftlich geregelt bzw. bestimmt.
Die Art des Testamentes bietet sich vor allem dann an, wenn sich die Ehegatten gegenseitig als Erben einsetzen.
Hinsichtlich der Form ist zu beachten, dass das gemeinschaftliche Testament der Ehegatten als handschriftliches Testament, wie auch in notarieller Form errichtet werden kann.

Entscheiden sich die Ehegatten für ein handschriftliches Testament, so braucht nur ein Ehegatte den eigentlichen Text handschriftlich niederzuschreiben, beide Ehegatten müssen aber unterschreiben.

Der Erbvertrag

Die gewollte Erbfolge kann nicht nur mit einem Testament, sondern auch mit einem Erbvertrag geregelt werden. Im Gegensatz zum Testament ist der Erbvertrag keine einseitige Erklärung, sondern eine verbindliche Abrede mit einem anderen oder mehreren Vertragsparteien, in der Regel sind dies der oder die eingesetzten Erben.

Der Vertrag führt dazu, dass der in der Vereinbarung vorgesehene Erbe einen gesicherten Anspruch auf den Nachlass hat. Dies bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass der Erblasser seine unbeschränkte Testierfähigkeit verliert und damit nicht einseitig einen neuen Entschluss zur Wirkung bringen kann, z. B. mittels eines neuen Testamentes.

Im Hinblick auf die Widerrufbarkeit eines Erbvertrages lassen sich unterschiedliche Rechtsfolgen vereinbaren. Hierzu sollte zuvor unbedingt eine Rechtsberatung eingeholt werden, da zwar notarielle Form besteht, der Notar aber niemals einseitiger Interessenvertreter sein darf. Es dürfte sich daher regelmäßig empfehlen, zuvor Rechtsrat bei einem Rechtsanwalt einzuholen.

Ein Erbvertrag ohne Notar ist nichtig, dies gilt also auch für solche Verträge, die zwar anders bezeichnet sind von den Parteien, aufgrund ihres Inhaltes aber als Erbvertrag qualifiziert werden müssen bei objektiver Betrachtung.


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